Wie sich das Einschlafen im Kleinkindalter ändern kann

Es ist Bettzeit, dein Kleinkind hatte einen aufregenden Tag und ist auch offensichtlich müde. Ja, es sagt sogar so was wie „müde“ oder „Bett“ und zeigt damit deutlich an, dass es bereit ist von dem Tag und allem was dazu gehört Abschied zu nehmen. So macht ihr euch auf in das Zimmer, wo euer Kind immer schläft. Eure Abendroutine lief super, ihr schaut euch immer noch mal ein Buch gemeinsam an und nach spätestens 15-20 Minuten ist dein Kind eigentlich auch im Land der Träume und du freust dich darüber, dass der Tag geschafft ist.


Doch plötzlich ist alles wie verhext

Heute Abend war es eigentlich genauso, alles wie immer, nur nun ist das Buch fertig angeschaut und dein Kleinkind scheint eher munterer als müder zu sein. Es möchte noch was trinken und eigentlich ist die Nase von Papa oder Mama auch total spannend und es muss noch daran rumgedrückt werden. Es wirkt so, als wolle dein Kind dich ärgern und ist auf einmal gar nicht mehr müde. Dir fällt es super schwer ruhig zu bleiben, erst Recht weil du gar nicht verstehst, warum es denn auf einmal so ist, es hat doch immer alles super duper geklappt. Dein Kleinkind hat sich in der Zwischenzeit sogar aufgesetzt, möchte noch mal was trinken und fängt sogar das kleine Kitzelspiel an, worauf du jetzt natürlich überhaupt keine Lust hast. Du bist so verwirrt und sagst aus dem Affekt „Wenn du jetzt nicht schläfst, dann geht Mama raus.“


Die richtige Denk- und Herangehensweise im richtigen Moment!

Ich verstehe total, dass so ein Satz aus Verzweiflung auch herausrutschen kann und diese Situationen, wenn sie sich dann am Abend häufen, echt zur Verzweiflung führen kann und Fragen in einem auslösen, was man denn falsch machen würde oder ob, das Kind einen ärgert. Ich möchte dir aber sagen, du machst gar nichts falsch und dein Kind ärgert dich auch nicht! Es ist voll normal, dass Kleinkinder irgendwann nicht mehr so schnell einschlafen können. Mit der Zeit brauchen die meisten Kinder ein wenig länger, um im Bett herunterzukommen und wenn du da Verständnis für hast und zeigst, ebnest du damit den weiteren Weg, wie euer abendliches zu Bett gehen laufen wird. Wenn du dich jetzt in deiner Wut und Frustration verrennst, dann überträgt sich das auf dein Kind und es wird auch mit Wut und Frustration reagieren, ihr geratet in einen Teufelskreis und kommt das vielleicht von Monaten über Jahre nicht mehr heraus und das zu Bett gehen wird für alle ein anstrengendes Thema bleiben.


Nimm es an und achte auf dich und deine innere Haltung.

Der erste Schritt ist durchatmen. Nimm an, dass es nun erst mal länger dauern kann dein Kleinkind in den Schlaf zu begleiten. Wenn du das Gefühl hast, dass es dich ärgert, ändere die Perspektive, denn dein Kind ärgert dich nicht, sondern es möchte einfach noch spielen. Es ist okay, wenn du am Abend nicht mehr spielen möchtest, du kannst es auch kommunizieren „Ich möchte das jetzt nicht spielen.“, aber es ist okay, wenn es für dich kurz noch spielt und zum Beispiel liegend seine Kuscheltiere etwas wirft oder eine Figur dabei hat, mit der es Bewegungen macht. Durch Spielen können Kinder ebenso herunterkommen, es ist ihre Weise abzuschalten, wie unsere Weise eine Serie, ein Buch oder ein Film am Abend sein kann. Nimm dir deinen Geduldsfaden mit, ein Hörbuch auf dem Ohr zum Beispiel oder überlege dir, was du die nächsten Tage kochen möchtest oder welche Serie du nach der Einschlafbegleitung schauen möchtest. Lass deine Gedanken auch mal total schweifen und versuche zu entspannen. Diese Entspannung überträgt sich auch auf dein Kind, denn es kann noch viel besser entspannen, wenn die Eltern, die das Kind in den Schlaf begleiten, auch entspannt sind. Das überträgt sich einfach. (Gilt übrigens auch so bei Babys).

Beobachte dein Kind und Passe Routinen und Rituale ggf. an

Schau sonst auch gerne mal bei der Einschlafbegleitung genau auf dein Kind, was beschäftigt es so noch, schau es eher im Zimmer herum? Redet es auf seiner Sprache gemischt mit Wörtern, die es schon kann, ganz viel? Wirft es Dinge in die Luft? Hört es aufmerksam bei etwas zu? Sucht es Körpernähe? Oder bewegt die Beine ganz viel? Jedes Kind und jeder Mensch kommt auf eine andere Art und Weise runter, wenn du schaust und auch dein Kind fragst, was es gerade noch vor dem Einschlafen braucht und möchte, dann könnt ihr gemeinsam ein passendes Ritual schaffen. Und lass dein Kind auch gerne was trinken, wenn es noch mal was trinken möchte, manchmal vergessen die Kleinen das auch über den Nachmittag und vor dem Schlafen spüren sie den Durst und er kann dann auch dreimal gespürt werden. Du kannst es ja auch direkt am Bett schon einmal anbieten „Möchtest du noch was trinken? Wasser oder Milch?“, es kann auch sein, dass es erst mal noch nicht möchte, aber dann nach eurem Ritual doch. Sei fürsorglich und entspannt. Achte am besten auch gar nicht auf die Zeit. 

Wie kann dann ein Ritual aussehen?

Ich beschreibe einfach mal unsere Routine und unser Ritual dann im Bett. In etwas zur gleichen Uhrzeit am Abend verschwindet hier der Papa mit unserem Sohn im Bad, es wird Zähne geputzt und sich umgezogen (ich bin ehrlich, manchmal auch mithilfe eines YouTube Videos, damit die Zähne ordentlich geputzt werden können). Danach kommt der kleine Mann zu mir ins Wohnzimmer, wir kuscheln noch, wir stillen, wir spielen mit Autos. Irgendwann sagt er ‚Bett‘ oder ich frage dann, wenn ich merke, so langsam wäre doch mal Zeit fürs Bett, ob wir ins Bett wollen.“ Meist bejaht er das, sucht sich sein Auto aus und wir gehen zusammen in unser Schlafzimmer. Ich hebe ihn rauf auf unser Bett und er legt sich direkt hin. (Wow klingt das nicht wunderbar und schön? Er müsste ja sicher gleich einschlafen – denkste!). Ich mache das Fenster zu, das Nachtlicht an und dunkle das Zimmer ab und frage schon mal, ob wir noch eine Geschichte auf der Toniebox hören wollen. Wenn alles abgedunkelt ist, lege ich mich neben meinen Sohn, manchmal möchte er gerne die Sterne vom Nachtlicht beobachten (das ist eine Einstellung unseres Nachtlichts, wo dann die Sterne durchs ganze Zimmer schweben.) und dabei hören wir dann meist einer Geschichte zu. Manchmal fährt er mit seinen Autos an mir entlang, manchmal wirft er noch Kuscheltiere hoch und manchmal sortiert er sich seine Autos so neben sich, wie er sie gerne beim Schlafen hätte. Ich biete immer noch mal was zu trinken an oder er fragt danach. Manchmal fragt er auch, ob wir uns ein Buch anschauen können und wir benennen gemeinsam Dinge im Buch, manchmal liegen wir nur da und beobachten Stern. Manchmal legt er sich noch dreimal um. Aber irgendwann merke ich, dass er bereit ist loszulassen und ich mache die Geschichte und das Licht aus. Wenn er nicht bereit ist, dann sagt er mir das. Manchmal möchte er dann auch noch mal Milch haben. Und dann schläft er langsam ein. 

Wie lange darf das dauern?

Im Kleinkindalter ist es okay, wenn das auch mal länger dauert. Die Kleinen lernen und erleben jeden Tag so viel, da kann das, was ich eben beschrieben habe, auch tatsächlich in Ausnahmen sogar eine Stunde dauern. In der Regel, wenn du dir aber die Ruhe und die Zeit nimmst, schaffen es die Kinder, wenn die Bettzeit auch zum Kind passt, in einer halben Stunde zu entspannen und einzuschlafen. Nimm dir wirklich bewusst die Zeit und plane sie ein. Wenn du weiterhin dein Kind liebevoll begleitest, dann wirst du auf lange Sicht ein Kind haben, was gerne schlafen geht. Es ist eure Quality time. Bei uns räumt zum Beispiel der Papa in der Zwischenzeit auf, macht uns das gemütlich und bringt das große Kind ins Bett. Wenn dein Kind älter wird und immer mehr in das Vorschulalter kommt, dann kannst du auch dein Kind erst mal schon ins Bett bringen, die Türe auflassen und alles, was so vorher ist, dein Kind machen lassen (kurz spielen, Geschichte hören, trinken, Bücher angucken…etc.) und kannst kommunizieren, dass du eben noch was machst, aber auch gleich dazukommst. Versichere dann deinem Kind, dass du kommst, sobald es ruft und komme dann auch so schnell wie möglich. Mit der Zeit kann es passieren, dass du dann kommst und dein Kind ist plötzlich eingeschlafen. Einige Kleinkinder schaffen das schon früher, andere erst, wenn sie im Vorschul- oder Grundschulalter angekommen sind. Jedes Kind ist da individuell und es gibt da keine Vorgabe, wann es wie klappen muss.

Was nehme ich mit?

Zusammenfassend möchte ich dir also mitgeben, dass es mehr als normal ist, wenn dein Kleinkind nicht mehr in den 5-20 Minuten einschläft, sondern dann auch länger braucht zum Einschlafen. Um einen Teufelskreis zu entgehen, nimm die Situation an, passe eure Routine und euer Ritual an dich und dein Kind an. Mach dir die Einschlafbegleitung so entspannt und stressfrei wie möglich. Ist der begleitende Elternteil frustriert, dann ist es auch dein Kind, denn die Kinder orientieren sich an uns. Passe immer wieder die Rituale an, auch an die Wünsche deines Kindes, lass es unbedingt mitentscheiden (auch zum Beispiel bei der Schlafanzugauswahl oder dem Schmusetuch/ Schnuller/ Kuscheltier, dem Hörspiel am Abend, dem Buch etc.). Erkenne die Entwicklung deines, sie kann auch Einfluss auf das Einschlafen haben, in beide Richtungen, plötzlich viel mehr ohne uns Eltern und plötzlich wieder viel mehr mit uns Eltern. Und ich denke damit habe ich erst mal viele Denkanstöße zu dem Thema Kleinkind und Einschlafen gesagt. Gerne tausche dich doch auch auf Facebook in unserer Facebookgruppe oder auf Instagram mit uns aus.

Liebste Grüße

Ronja