Einschlafhilfen bzw. Assoziation, Fluch oder Segen?

In meinen Beratungen werde ich von Eltern gefragt, ob sie bei ihrem Kind eine Einschlafassoziation etabliert hätten. Sie fragen besorgt und haben ernsthaft das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben. Innerlich bin ich aber schon meistens am Schmunzeln, weil ich genau weiß, dass ich jetzt diesen Eltern diese Bedenken nehmen kann, dass sie eben nichts falsch gemacht hätten.

Denkst du, dass du was falsch gemacht hast?

Grundsätzlich sind Einschlafassoziationen gar nichts Unnormales oder schlimmes. Viele Menschen, auch Erwachsene haben Einschlafassoziationen. Laut Duden ist eine Definition von Assoziationen „ursächliche Verknüpfung von Vorstellungen“. Also ist eine Einschlafassoziation eben eine Verknüpfung zum Einschlafen. Denk mal kurz nach, was du so zum Einschlafen brauchst? Kannst du überall gut schlafen bzw. einschlafen? Beantworte dir diese Fragen wirklich mal bewusst. Denn so hilft es dir, dich auch in dein Kind hineinzuversetzen.


Warnungen vor Einschlafassoziationen!

Im Internet kursieren viele Artikel und Forenbeiträge darüber, dass Einschlafassoziationen stets vermieden werden sollten, sie seien schlechte Angewohnheiten und sind schwer wieder wegzudenken. Ich selbst hatte mal die blöde Angewohnheit nur mit TV oder Hörbuch einschlafen zu können, es war schrecklich, erst Recht, wenn ich mal woanders schlief und das nicht zur Verfügung hatte. Mit der Geburt meines Sohnes schaffte ich es aber glücklicherweise. Also möchte ich gar nicht abstreiten, dass es schlechte Einschlafassoziationen gibt. Aber was sind denn nun schlechte und was sind gute Einschlafassoziationen? Kann man das überhaupt so pauschal sagen? 


Schlechte und gute Einschlafassoziationen

Eine gute Einschlafassoziation ist eine, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. (Ausgenommen ist das erste halbe Babyjahr, das ist irgendwie besonders und in der Zeit brauchen die Kleinen Mama und Papa einfach noch sehr intensiv und bis zu einem gewissen Punkt auch wirklich die Bewegung dabei, wie und wann du daran etwas ändern kannst, kommt etwas später im Artikel.) also etwas, was das Baby oder Kleinkind entspannt einschlafen lässt, die Eltern auch gerne und entspannt machen/ geben/ leisten können. Die Bandbreite ist enorm, von in den Schlafstillen, über Kuscheln, hin zu Hand halten, Lichter beobachten oder einem Lied lauschen. Auch inwieweit die Eltern dabei aktiv oder passiv sind, variiert. Einerseits hängt es von dem Kind ab, was es wirklich braucht, anderseits, was die Eltern ermöglichen können und auch von der Tagesform. Manche Tage sind im Leben eines Kindes so aufregend, dass sie am Abend vielleicht intensivere Einschlafhilfen brauchen, gerade, wenn die kleinen Übermüdet sind (und da zählt entspannt Einschlafen als oberste Priorität.) Aber es gibt auch Tage, wo die kleinen plötzlich ganz erwachsen wirken und kaum Hilfe benötigen. Eine schlechte Einschlafassoziation ist also dementsprechend eine, die alle belastet, wenn das 14 kg schwere Kleinkind immer noch auf dem Peziball in den Schlaf gewippt wird, kann glaube ich jeder verstehen, dass das doch sehr anstrengend für die Eltern sein kann (wer glücklich damit ist, soll sich an dieser Stelle bitte nicht angegriffen fühlen, wenn du zufrieden damit bist, dann ist es super und mach gerne weiter.) 

Was ist, wenn mich nun die Einschlafassoziation belastet?

Wenn dich die Einschlafassoziation sehr belastet und manchmal wird so was auch zur Weiterschlafassoziation, also nach jedem Schlafzyklus und um so fortgeschrittener die Nacht, nach jeder Schlafphase fordert dein Kind dann diese Assoziation ein, dann ist es okay, wenn du etwas daran ändern möchtest. Wie das geht, dafür gibt es leider keine allgemeine Anleitung, da jedes Kind ganz individuell auf diese Veränderungen reagiert. Aber erst mal kannst du dir selbst die Fragen stellen: Was genau stört mich? Wie würde ich mein Kind lieber in den Schlaf und durch die Nacht begleiten? Was mache ich, wenn mein Kind es nicht annimmt? Bei jüngeren Babys so mit 5 bis 6 Monaten klappt es gut, wenn man eine andere Einschlafassoziation, die für einen selbst angenehm ist, etabliert und gleichzeitig mit der aktuellen Einschlafassoziation macht. Langsam kann man dann die belastende Einschlafhilfe ausschleichen lassen. Beim Beispiel mit dem Pezziball wird das Wippen immer weniger, bis ihr nur noch zusammensitzt, vielleicht summst du aber dabei nun ein Lied oder eine Spieluhr läuft dabei. Irgendwann schläft dann auch dein Kind so in deinem Arm ein und du kannst es dann wie gewohnt ablegen. Möchtest du auch den nächsten Schritt, dass es direkt im Bett dann einschläft mit etwas streicheln, gehst du auch behutsam Schritt für Schritt vor und legst dein Kind immer früher ab. 

Mach dir keinen Druck!

Wichtig ist, dass wenn du etwas veränderst und verändern möchtest, du dich selbst nicht unter Druck setzt, gib euch die Zeit, die es für diese Veränderung benötigt und prüfe auch, ob dein Kind dafür von der Entwicklung überhaupt schon in der Lage ist. Gerade in den ersten Monaten benötigen die meisten Kinder entweder das Nuckeln oder die Bewegung, um in den Schlaf zu finden, das ist mehr als normal. Mit der Zeit ergeben sich aber sensible Zeitfenster, wo die kleinen einem auch zeigen, dass sie bereit sind für eine kleine Veränderung. Sei achtsam und erkenne das Zeitfenster und nutze es. In Entwicklungsschüben, wenn dein Kind krank ist oder Ähnliches, da kann es immer mal sein, dass ihr doch wieder verstärkt auf eure vorherigen Einschlafassoziationen zurückgreifen werdet, aber genauso schnell wird dein Kind wieder das Neue annehmen, wenn der Schritt, die Krankheit, der aufregende Tag oder dergleichen überstanden sind. Als weiteres solltest du auch vor allem, wenn es ums Stillen oder die Flasche geht, darauf achten, dass dein Kind trotzdem die Nahrung bekommt, die es für seine Entwicklung benötigt. 

Was ist es also nun Fluch oder Segen?

Grundsätzlich würde ich sagen, dass Einschlafassoziationen ganz klar ein Segen sind. Sie helfen uns unsere Kinder entspannt in den Schlaf zu begleiten, sie geben Sicherheit und Vertrauen. Jeder hat eine Form von Schlafassoziationen, manche sind vielleicht nicht so gut für die Schlafhygiene (wie der Fernseher) und andere nicht für die Rücken der Eltern. Wird eine Einschlafassoziation zur Belastung, darf natürlich etwas geändert werden und meist ergibt sich eine neue, andere Einschlafassoziation. Wenn du Sorge hast den Schritt alleine zu meistern, rede darüber mit Freunden, die auch Kinder in dem Alter haben, tausche dich aus oder suche dir Hilfe von einer Schlafberatung. Wenn du zufrieden bist, dann steh dazu und lass dir auch nicht von den Stimmen von außen einreden. Ich hoffe, du konntest dir in diesem Artikel ein neues Bild von dem Thema Einschlafassoziationen machen. Tausche dich auch gerne mit uns auf unseren Social Media Kanälen Instagram oder mit unserer Community in unserer Facebookgruppe aus. 

Liebste Grüße

Ronja