Durchschlafen bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen 

Welche frisch gebackenen Eltern kennen diese Fragen nicht? „Wie sind die Nächte so?“ „Schläft es schon durch?“, oder Kommentare wie „Also früher haben alle Kinder durchgeschlafen.“ „Wir hatten nie Probleme mit dem Durchschlafen.“ Du noch viele mehr. Und um das Ganze soll es jetzt auch irgendwie gehen und da möchte ich erst mal die Frage stellen „Was verstehst DU denn unter durchschlafen?“

Was ist durchschlafen?

Ich finde es tatsächlich gar nicht so einfach zu definieren, es gibt aber tatsächlich verschiedene Definitionen von Durchschlafen, die überall in den Medien, im Internet und auch unterschiedlichster Literatur auftauchen. (könnt ihr ja mal googlen oder nachschlagen, trifft es auch Eure Definition davon?) Ich definiere durchschlafen als eine längere Zeit, die ein Mensch am Stück ohne Unterbrechung durchschläft. Sicherlich gibt es da auch Durchschnittswerte an Stunden und wie lange das sein muss oder kann oder sollte, aber genau das lasse ich direkt weg. Denn ich denke, es ist eine Frage des individuellen Menschen, wie lange, dies dann im jeweiligen Fall ist. Und bevor wir über das Durchschlafen bei Babys- und Kleinkindern reden, möchte ich mal reflektieren, ob wir Erwachsenen denn überhaupt durchschlafen.

Erwachsene schlafen nicht durch

Ich selbst hatte nie eine richtige Schlafhygiene, bin vor meinem Sohn oft mit TV oder einem Hörbuch eingeschlafen, habe ich eine Sleeptimefunktion vergessen einzustellen, so holte mich eben dieses meist auch in der Nacht aus dem Schlaf, das ärgerte mich oft, denn das Wiedereinschlafen fiel mir dabei umso schwerer und ich nahm mir eben dieselben Hilfsmittel und manchmal war ich in einem Teufelskreis gefangen. Selten schlief ich mal eine wirklich durch. Weckte mich meine Einschlafhilfe nicht, dann war es entweder mein Durst in der Nacht, eine Fliege oder dass ich zur Toilette musste. Inzwischen schlafe ich tatsächlich besser (ein), weil ich eben auch auf meine Schlafhygiene achte und seitdem mein Sohn überwiegend durchschläft, schlafe ich auch mal durch, aber immer noch nicht von Einschlafzeit bis zu meiner Aufstehzeit. Mein Sohn steht mit meinem Mann vor mir auf und da werde ich trotzdem kurz wach, schlafe dann aber direkt weiter. Dieses direkt weiterschlafen musste ich selbst tatsächlich erst lernen. Anfangs, als mein Mann mir sagte, dass er ohnehin morgens nicht mehr schlafen könne und er steht gerne mit dem kleinen auf, fiel es mir schwer liegenzubleiben. Ich blieb aber liegen und nach ein paar Tagen schlief ich auch erst mal wieder ein, aber nur kurz. Erst mit der Zeit schaffte ich es dann auch nach der Unterbrechung noch länger zu schlafen und am Wochenende auszuschlafen. 

Was stört das Durchschlafen?

Bei uns Erwachsenen ist es so, dass uns oft auch eher nur so vorkommt, als würden wir durchschlafen, unser eigenes kurzes Aufwachen, vergessen wir meist einfach wieder, ob es kurz was trinken ist, auf Toilette gehen, das Kissen richten (dabei muss ich tatsächlich immer an Josy rotes Ikea Kissen denken, was für sie ein Schlafsignal ist und ihr fällt es direkt auf, wenn das mal aus dem Bett fällt und sie holt es sich wieder – eine Geschichte, die sie schon vor Jahren mit der Community teilte), oder andere Dinge, nur wir erinnern uns nicht mehr oder dunkel und haben das Gefühl, dass wir die ganze Nacht geschlafen haben. Wir haben mit unserer Entwicklung gelernt, einfach weiterzuschlafen und uns um uns selbst zu kümmern. Aber auch wir haben mal Bedürfnisse, die nicht bis zum Morgen warten können. Und an meinem Beispiel zeige ich auch, dass sogar ich als Erwachsene auch noch mal einiges selbst lernen musste, um durchschlafen zu können.

Welche Erwartungshaltung habe ich an mein Kind und mich?

Wenn Du also nun weißt, dass Du selbst gar nicht tatsächlich durchschläfst, sondern einfach vieles unbewusst und im Halbschlaf schon erledigst, auch Deine Schlafhygiene für Dein Durchschlafen sorgt, welche Erwartungshaltung kannst Du da also nun an Dein Kind stellen? Erst mal keine. Für ganz kleine Babys ist es tatsächlich schon eine Leistung, wenn sie von einer Schlafphase in die nächste ohne Hilfe schaffen und einen gesamten Schlafzyklus von ca. 90-120 Minuten schaffen. Daher schlafen die kleinen gerade in den ersten Monaten besonders „lange“, wenn sie unter Bewegung, Nähe, getragen etc. schlafen. In der Nacht nutzen wir selten diese Hilfen und auch das ist okay. Aber so kann es sein, dass eben am Anfang auch schon die 2h für Dein kleines Minibaby ein Durchschlafen sein kann. Manchmal brauchen die kleinen dann erst mal Hilfen, um von einem Schlafzyklus in den nächsten zu kommen oder wachen kurz auf, weil eben ein Bedürfnis gestillt werden muss. Dazu kommt, dass gerade in der ersten Zeit der Tag-Nacht-Rhythmus und auch der Schlaf-Wach-Rhythmus noch gar nicht gegeben sind und sich in den ersten Monaten erst entwickeln. Mit der Zeit schafft Dein Baby auch immer mehr Schlafzyklen aneinander zu reihen, ohne jedes Mal aufzuwachen. Wenn es dann aufwacht, dann liegt wirklich meist ein Bedürfnis vor, was gestillt werden muss – Flasche/ Stillen, Nähe, volle Windel, Angst etc. 

Wie oft aufwachen ist denn „normal“?

Solange alle zufrieden sind, kann auch alle 2h normal sein, alle kommen gut durch die Nacht und das Aufwachen ist eigentlich ganz kurz und unter 15 Minuten. Für manche Eltern kann das aber auch tatsächlich belastend sein, was ebenso verständlich ist. Also grundsätzlich, um nun doch mal einen Durchschnittswert zu nennen, habe ich in den Beratungen die Erfahrungen gemacht, dass wenn alles stimmt – Schlafhygiene, Schlafenszeiten, Tagesablauf, Routinen, Rituale, Müdigkeit erkennen etc. – die Babys 1-3 Mal in der Nacht aufwachen und Hilfe brauchen, weil sie eben Hunger/ Durst haben oder eben Nähe brauchen, Bauchschmerzen stören oder Ähnliches. Wenn es also häufiger ist, kann es trotzdem normal sein, kann auch an einem Entwicklungsschub (geht in der Regel nach 1-3 Wochen vorüber), kann aber ebenso sehr belastend sein und es ist okay, sich dann auch Rat zu suchen. Dafür gibt es Schlafberater*innen, die eben über Eure Situation schauen und mit Euch mal schauen, an welchen Stellen schon kleine Veränderungen ein „Durchschlafen“ mit den üblichen Unterbrechungen ermöglicht werden kann. 

Was ich nun für mich mitnehmen kann! 

Bevor Du von Deinem Kind nun also erwartest „durchzuschlafen“ oder gar jemand anderes erwartet, hilft erst mal sein eigenes Schlafverhalten und sich zu reflektieren. Im nächsten Schritt schau auf Deine eigene Erwartungshaltung (Deine und nicht die von Tante Erna oder Dr. Mustermann, Freundin, bei der das Baby schon immer durchschläft oder sonst wer), was kann ich reell von meinem Kind erwarten. Und wenn Du das für Dich getan hast, dann kannst Du für Dich reflektieren, ob Du also alles so lassen kannst wie es ist oder Dir doch mal Rat von außen einholst. Aber bitte lass Dir niemals sagen, dass Dein Kind eine Schlafstörung hat, weil es mit einem halben Jahr oder Jahr oder auch mit drei Jahren noch nicht durchschläft, denn dann hätte vermutlich fast jeder Mensch eine. Ich hoffe, Du hast nun eine Vorstellung vom Durchschlafen. Gerne tausche Dich doch auch auf Facebook in unserer Facebookgruppe oder auf Instagram mit uns aus.

Liebste Grüße

Ronja